Es ist wieder soweit. In der zurückliegenden Nacht jährte sich ein beispielloses Ereignis zum 20. Mal. Im Jahre 1989, in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni, begannen chinesische Sicherheitskräfte, Polizisten, Militär und paramilitärische Verbände, auf Teilnehmer von Protestkundgebungen zu schießen, die in ganz Peking stattfanden, um nach dem Tod von Hu Yaobang, Mitglied der zweiten chinesischen Führungsgeneration und der Reformfraktion zuzuordnen, für mehr Demokratie, Meinungsfreiheit und Menschenrechte zu demonstrieren. Seit dieser Nacht gibt es den stehenden Ausdruck der „chinesischen Lösung“. Jeder, der die friedliche Wende 1989/90 in Deutschland auf Seiten der DDR miterlebt hat, kennt ihn.
Warum schreibe ich das? Reine Erinnerung ist es nicht. Jene Nacht hat aus seinem sehr großen und dennoch weitgehend unbekannten Platz, dem Platz des Himmlischen Friedens, nicht nur ein Symbol sondern auch eine Metapher gemacht. Ein Zeichen für staatliche Willkür und rücksichtslosen Umgang mit Regimekritikern. Diese Nacht hat den Namen Tian’anmen in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit gerückt.
Und damit verdankt eine Rollenspieleinheit der DeSF diesem Ereignis seinen Namen.
Das mag krude oder doch zumindest historisch und politisch fragwürdig erscheinen. Die Benennung aber erfolgte durchaus im Bewusstsein des historischen Erbes; nicht ausschließlich natürlich aber dennoch durchaus bedacht. Und genau deshalb möchte ich heute an dieses Ereignis erinnern. In China, auf dem Tian’anmen-Platz, sind Menschen für etwas eingetreten und gestorben, das für uns selbstverständlich ist. Das, so empfinde ich es, erlegt uns zweierlei Pflichten auf: Zum einen die Erinnerung an das Geschehene, das in China selbst leider kaum stattfinden kann; und zum anderen die Bewahrung der uns gegebenen Werte von Demokratie, Meinungsfreiheit und Bürger- und Menschenrechten.
Der Wahlspruch der USS Tian An Men lautet „Those who fear free speech, fear the truth“. Er ist gewidmet allen Opfern politischer Verfolgung. Und heute im Besonderen den Opfern des Tian’anmen.